Elberadweg bei Hradec Kralove

Elberadweg 3 – Der Tschechische Teil

In der zweiten Woche auf dem Rad war ich in Tschechien unterwegs. Ab jetzt werden die Etappen kürzer, dafür hügeliger. Und zum Abschluss gibt es noch eine Wanderung, denn die Quelle selber ist nicht mit dem Rad zu erreichen.

Von Decin nach Litoměřice

Die Etappe von Dresden nach Děčín war doch recht anstrengend, und ich bin ziemlich früh eingeschlafen, so dass ich heute um sechs hellwach war. Dementsprechend früh bin ich auch gen Litoměřice aufgebrochen. Passte ganz gut, weil für den Nachmittag ein Gewitter angekündigt war. Hätte ja sein können, dass es dieses Mal tatsächlich kommt. Spoiler: es kam nicht. Stattdessen hatte ich den ganzen Tag perfektes Wetter.
Leider war die Strecke heute nicht so schön wie gestern. Zwischen Děčín und Litoměřice führt der Elberadweg nur selten direkt an der Elbe entlang, meistens geht es durch die Ortschaften und durch Industriegebiete. Auch eine Kläranlage gehört zu den „Sehenswürdigkeiten“ die man auf dieser Strecke mitnimmt.
Zudem wird es jetzt zunehmend hügeliger. Das Elbsandsteingebirge lässt grüßen. Es gibt quasi keine Teilstrecke ohne Steigung. Wenigstens gab’s heute keinen Gegenwind, so dass ich bergab tatsächlich rollen konnte, und nicht in die Pedale treten musste, um voran zu kommen.
Da ich ja nicht aus meinen Fehlern lerne, habe ich zur Mittagspause wieder eine Burg in exponierter Lage anvisiert. Genau genommen handelt es sich bei Burg Schreckenstein um eine Ruine, die laut ihrer Infotafel zu den „am besten erhaltenen Ruinen der Tschechischen Republik“ gehört. Der Anstieg ist nicht ganz so fies wie der zur Festung Königstein gestern, und meiner Meinung nach ist die Aussicht sogar schöner. Da die Ruine relativ klein ist, kann man sich entspannt alles ansehen und verliert trotzdem nicht zu viel Zeit. Und im Restaurant (auf dessen Terasse man die Aussicht auch nochmal genießen kann) gibt’s leckere Palacinka!

Burg Schreckenstein
Burg Schreckenstein
Ein Ausblick zum Genießen
Ein Ausblick zum Genießen

Trotz der Pause bin ich gegen zwei in Litoměřice angekommen. Und da das Wetter noch immer grandios war, und mir das was ich auf dem Weg zum Hotel von der Stadt gesehen habe, schon ziemlich gut gefallen hat, bin ich zügig wieder aufgebrochen. Zum Glück war die Tour heute nicht so anstrengend, so dass das Nickerchen ausfallen konnte.
Litoměřice ist wirklich schön. Der Stadtkern ist durch zahlreiche Renaissance- und Barock-Bauten in allen möglichen Farben geprägt. Nur bei näherem Hinsehen fällt auf, dass nicht alles so gut in Schuss ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Mein Highlight ist die „Kostel Zvěstování Panny Marie“, eine Jesuiten-Kirche, die von außen in perfektem, gelb-rotem Kitsch daherkommt, von innen aber den Verfall nahe ist. Man kann aber noch erkennen, wie opulent die Kirche mal ausgestaltet war. Ich sage nur: Photorausch!
Auch wenn die Strecke selber mich heute nicht so begeistert hat, haben Burg Schreckenstein und Litoměřice das rausgerissen. Insbesondere Litoměřice ist definitiv einen Besuch wert. Ob mit Rad oder ohne.

Am Marktplatz von Litoměřice
Am Marktplatz von Litoměřice
altertümliche Überwachungsanlage?
altertümliche Überwachungsanlage?
Kostel Zvěstování Panny Marie
Kostel Zvěstování Panny Marie

Von Litoměřice nach Brandýs nad Labem-Stará Boleslav

Diese Etappe möchte ich gerne nochmal bei gutem Wetter machen! Von der Landschaft her würde ich fast sagen, war es noch schöner als zwischen Dresden und Děčín. So richtig beurteilen kann ich das aber nicht, denn nach einer Dreiviertelstunde hat Regen eingesetzt, der nach anfänglichem Geniesel schnell wolkenbruchartige Ausmaße angenommen hatte. Und die anfänglich wunderbar entspannt zu fahrende Asphaltdecke wurde zu einer Mischung aus Kopfsteinpflaster, Schotter, großen Steinen die nicht wirklich eine ebene Pflasterung ergaben, plus Schlamm und Pfützen. Letzteres in immer ansteigenderem Maß. Das erfordert doch einiges an Konzentration um nicht wegzurutschen, insbesondere mit den schweren Packtaschen am „Heck“.
Wäre es ein paar Grad wärmer gewesen, hätte es mir wahrscheinlich richtig Spaß gemacht, durch die Pfützen zu pflügen. So hat es nur ein bisschen Spaß gemacht 😉 Denn auch mit der besten Regenkleidung zieht die Feuchte irgendwann durch. Interessanterweise hat es genau dann aufgehört zu regnen, als der Weg wieder schön asphaltiert war.
Trotzdem war ich froh, als ich endlich in Brandýs angekommen war.
Es gibt ein Schloss (so wie anscheinend in jeder Stadt hier), das von aussen ganz nett aussieht, aber heute geschlossen ist. Ist halt Montag, da haben auch hier in Tschechien die meisten Museen u.ä. Ruhetag. Und abgesehen vom Schloss gibt es hier nicht wirklich was zu sehen. Passt mir aber ganz gut. So habe ich zumindest nicht das Gefühl, was zu verpassen, wenn ich den Nachmittag/Abend einfach faul im Hotel verbringe. Kopf und Beine brauchen das heute…

Schietwetter!
Schietwetter!

Von Brandýs Nach Kolín

Ich brauche eine andere Wetter-App. Für die Zeit von neun bis zehn Uhr war Regen und Gewitter angekündigt. Also habe ich beschlossen, den Tag sehr gemütlich anzugehen, das Unwetter durchziehen zu lassen, und später loszufahren. Was zeitlich kein Problem wäre, heute stand eine kürzere Tour auf dem Plan. Von Brandýs nach Kolín sind es keine 60 Kilometer. Um halb zehn war vom Unwetter noch immer nichts zu sehen stattdessen blauer Himmel mit ein paar malerischen Wolken. Ein erneuter Check der Wetter-App zeigt: Unwetter zwischen zehn und elf. Da bisher noch kein angekündigtes Unwetter tatsächlich gekommen ist, und es draußen einfach schön war, bin ich also losgefahren. Und hatte zwar nicht die ganze Zeit strahlenden Sonnenschein, aber es war warm, trocken und windstill. Perfektes Fahrradwetter!
Die Tour selber hat nicht ganz perfekt angefangen. Ziemlich direkt hinter Brandýs ist der Elberadweg gesperrt, und erst eineinhalb Stunden später, bei Nymburk kommt man wieder an die Elbe zurück. Zunächst ging es ein Stück durch den Wald (der Boden uneben und noch aufgeweicht von gestern, offensichtlich hat es hier genau so gegossen), dann etwa eine Stunde lang hauptsächlich auf Landstraßen. Das ist hier allerdings nicht so schlimm, da nur wenig Verkehr ist. Und ich muss hier mal die tschechischen Autofahrer loben – ich bin ohne Ausnahme mit großem Abstand überholt worden. Auch in den letzten Tagen: ich musste mehrmals viel befahrene Straßen überqueren. Und jedes Mal hat irgendwann ein Auto angehalten, um mich rüber zu lassen. Ich wüsste nicht, dass mir das in Deutschland schon mal passiert ist…
Ab Nymburk war ich dann also wieder auf dem Elberadweg unterwegs. Der ist hier wunderbar zu fahren. Guter Asphalt, direkt am Fluss, keine Straße und keine Bahngleise in Sicht.

Elberadweg bei Nymburk
Elberadweg bei Nymburk
Kunst im Wald
Kunst im Wald

Aber dann hat mir Komoot ein Ei gelegt. Ich soll über eine Brücke, die aber direkt am Radweg gar keine Auffahrt hat. Ich kann also entweder zurück fahren und die Auffahrt zur Brücke suchen, oder der Beschilderung des Elberadwegs folgen, der anscheinend gar nicht über die Brücke will. Ich habe mich für zweiteres entschieden. Bisher war jedes Mal, wenn ich vom beschilderten Weg abgewichen bin, entweder die Straße am Ende gesperrt oder sie entwickelte sich zu einem zentimeterbreiten Feldweg.
Tatsächlich ist die Beschilderung des Elberadwegs, der hier unromantisch einfach „2“ heißt, sehr gut, so dass ich ihr auch ohne Unterstützung von Komoot gut folgen kann. Schließlich komme ich auch wieder auf die vorgeplant Route. Das Ganze hat mich zusätzliche 3.8 km gekostet, ich habe aber nur vier Minuten länger gebraucht, als Komoot vorhergesagt hatte. Normalerweise passt das ziemlich gut. Ich nehme also an, dass der eigentlich geplante Weg mal wieder nicht so gut asphaltiert gewesen wäre…
So habe ich das erst wieder auf dem letzten Stück, da geht es nochmal auf unbefestigtem Weg durch den Wald. Danach musste ich erstmal den ganzen mit Pollen verklebten Schlamm aus dem Schutzblech kratzen. Dann war es nicht mehr weit bis zum heutigen Ziel.
Kolín ist ein kleines Städtchen mit nicht wirklich vielen Sehenswürdigkeiten. Das ist ok, ich merke, dass die Beine langsam müde werden und nicht unbedingt noch stundenlang durch die Gegend laufen wollen. Morgen geht es nach Hradec Králové und dann ist Pausentag!

Von Kolín nach Hradec Králové

Raindrops keep falling on my head…

Heute lag die Wetter-App richtig. Sowohl die Alte als auch die Neue. Regen. Ununterbrochen.
Ich habe mich daher für eine Abkürzung entschieden. Begonnen hat die Tour mit einer Stunde Landstraße, statt zwei Stunden unbefestigter Weg direkt an der Elbe. Normalerweise hätte ich ja den Holperweg in Kauf genommen, für die schönere Aussicht, bzw. keinen Verkehr. Aber nach den Erfahrungen von vorgestern wollte ich nicht noch einen Regentag damit verbringen durch Pfützen und Schlamm zu pflügen. Und eine Stunde weniger im Dauerregen fand ich auch irgendwie verlockend.
Auch als ich nach einer Stunde wieder auf den Elberadweg getroffen und diesen weiter gefahren bin, bestand die Strecke hauptsächlich aus Landstraßen. Leider mit mehr Verkehr als gestern. Aber dafür war der Belag die meiste Zeit sehr gut zu fahren und ich bin schnell voran gekommen.
Den geplanten Stopp in Pardubice habe ich nicht gemacht. Man könnte sagen, er ist ins Wasser gefallen. Sightseeing macht bei Regen halt keinen Spaß.
Stattdessen bin ich direkt nach Hradec Králové weiter gefahren. Es ging weiter auf der Landstraße, jetzt nicht mehr nur mit Regen, sondern auch noch recht starkem, böigem Wind von links/vorne. Dementsprechend froh war ich, als ich kurz vor zwei in meiner Pension angekommen war. Und da für den Rest des Tages keine Besserung des Wetters in Sicht war, habe ich den Nachmittag faul auf dem Bett verbracht, bzw. in der kleinen Sitzecke, die ich hier netterweise hatte. Die Stadt konnte ich mir ja am nächsten Tag angucken.

Elberadweg bei Pardubice
Elberadweg bei Pardubice

Hradec Králové

Den Ruhetag habe ich tatsächlich als eben das genutzt: RUHEtag. Sonst laufe ich ja gerne stundenlang herum und erkunde die Gegend. Aber zum Einen war das Wetter noch immer durchwachsen, zum Anderen haben die Beine in den nächsten drei Tagen noch einiges vor sich!
Also habe ich lange geschlafen, gemütlich gefrühstückt, ein bisschen YouTube-Videos geguckt und gelesen bis es am Mittag aufgehört hat zu regnen. Dann habe ich einen kleinen Stadtrundgang gemacht. Die Innenstadt von Hradec Králové ist recht klein (in einer halben Stunde zu umrunden, wie ich am Nachmittag festgestellt habe). Der Kern der Stadt liegt auf einem Hügel, von hohen Stadtmauern umgeben. Die Mauern erkennt man aber nur von außerhalb als eben solche. Die Innenstadt liegt fast auf dem Niveau der Mauern selber, so dass man diese maximal als Brüstung wahrnimmt.
Es gibt wieder die hübschen alten Häuser, einige besser einige weniger gut erhalten. Ein paar Kirchen und: ein Glockenturm. Der ist besonders erwähnenswert. Von außen sieht er aus wie ein ganz normaler Glockenturm. Und ohne TripAdvisor wäre ich vermutlich nicht mal auf die Idee gekommen, ihm mehr Beachtung zu schenken. Aber im Inneren ist er sehr speziell: während die erste Etage noch über eine alte Wendeltreppe erreicht wird, findet man danach hochmoderne Treppen aus Holz mit Stahlgeländern. Der Kontrast der klaren Strukturen der Treppen mit den alten Steinmauern und Holzbalken ist faszinierend. Habe ich so bisher noch nirgendwo sonst gesehen. Unterstützt wird die moderne Wirkung durch die Beleuchtung, die sich von rot über violett nach blau und wieder zurück wandelt.
Im Keller befindet sich ein Modell des Turmes, komplett aus Glas (oder Plexiglas?), ebenfalls in wechselnden Farben beleuchtet. Sieht klasse aus!
Den Nachmittag habe ich dann genau so verbracht, wie den Vormittag (ohne das Ausschlafen und Frühstücken, dafür mit leckerem Gebäck und Snacks aus der Bäckerei).
Später habe ich dann nochmal eine Runde um die Altstadt herum gedreht, da der Rücken das ganze rumgammeln nicht so mag. Da musste er aber dann den Rest des Abends mit klarkommen 😉

Stadtmauer von Hradec Králové
Stadtmauer von Hradec Králové
Im Weißen Turm
Im Weißen Turm
Ausblick über die Stadt
Ausblick über die Stadt

Von Hradec Králové nach Hostinné

Der Pausentag hat gut getan. Den Beinen, dem Hintern, dem Wetter…
Die vorletzte Etappe führte von Hradec Králové nach Hostinné. Die Strecke war durchweg gut zu fahren, bis auf wenige Meter (genau genommen: 746m laut Komoot) ist der Elberadweg hier asphaltiert. Der Radweg selber sogar deutlich besser als so manche Dorfstraße, die bei Ortsdurchfahrten genutzt werden musste.
Es ging permanent auf und ab (etwas mehr auf als ab), das Riesengebirge lässt grüßen. Aber bei dem traumhaften Wetter und diesem Straßenbelag und den moderaten Anstiegen von 5-7% ist das selbst mit Gepäck gut hinzukriegen.
Nach einer Stunde bin ich an der Festung Josefov in Jaroslav angekommen. Die liegt zur Abwechslung mal nicht hoch oben über der Elbe, sondern ist ganz entspannt zu erreichen. Gut, ein bisschen bergan geht es schon, aber es ist moderat. Zu sehen sind von der ehemaligen Festung hauptsächlich noch die Mauern die in grasbewachsene Hügel übergehen. Dazwischen stehen vereinzelte Gebäude, deren Sinn leider nicht erklärt wird.
Es gibt einen Trampelpfad durchs Gelände, der mit dem Rad gut zu machen ist. Allerdings nur, wenn es trocken ist, bei Regen wird es vermutlich ziemlich schlammig.
Von Jaroslav bin ich dann weiter nach Dvůr Králové, d.h. Königinhof. Hradec Králové ist übrigens Königgrätz. Ich kombiniere mal haarscharf, das Králové wohl was mit König zu tun hat 😉 Aber was „grätz“ bedeutet, muss ich noch herausfinden.
Dvůr Králové ist eher unspektakulär, aber es ist groß genug für ein paar Cafes und Restaurants , und damit hervorragend für eine Mittagspause geeignet.
Gestärkt von marmeladegefüllten Hefeklößen (was für eine Abwechslung zum üblichen Brötchen/Ei/Apfel-Mittagessen) habe ich mich dann an den Anstieg nach Hostinné gemacht. Der zog sich zwar ziemlich, war aber, wie oben schon beschrieben, gut machbar. Deutlich weniger schlimm als ich befürchtet hatte. Das lässt mich für morgen hoffen, da habe ich mehr als doppelt so viele Höhenmeter vor mir.
Hostinné ist der kleinste Ort, in dem ich mein Lager aufschlage. Ganze 4.400 Einwohner leben hier. Aber der Marktplatz ist hübsch (mit einem tollen Rathausturm). Diese Art von Platz als Zentrum der Stadt, mit den verzierten Häusern und ihren Arkadengängen scheint hier sehr üblich zu sein. Dieses Mal wohne ich sogar in einem Haus direkt am Markt.
Und das Zimmer hat eine Badewanne! Das ist auf einer Fahhradtour ein Segen! Leider ist die Wanne kürzer als meine Beine, so dass es mit der Entspannung nicht so richtig erfolgreich ist.
Zum Glück ist hier wenig los, da ist auch das Zimmer mit Blick auf den Markt ruhig.

Festung Josefov
Festung Josefov
Yummie :-)
Yummie 🙂
Elberadweg bei Hostinné
Elberadweg bei Hostinné

Von Hostinné nach Špindlerův Mlýn

Seit ich angefangen habe, die Tour zu planen, hatte ich ziemlichen Respekt vor der heutigen Etappe. Berge sind nun mal nicht so meins, aber Flussquellen liegen nun mal üblicherweise recht weit oben. Also hieß es heute: klettern! Und um ehrlich zu sein, ab und an auch : schieben…
Ich hatte ja schon festgestellt, dass ~10% Steigung mein Limit ist. Die maximale Steigung lag heute bei 22%. Da komme ich selbst beim Schieben an meine Grenzen.
Die 22% habe ich mir allerdings auch selber eingebrockt. Es gibt zwei alternative Routen von Hostinné nach Špindlerův Mlýn. Direkt an der Elbe entlang, direkt auf der Hauptstraße, oder durch den Krkonoše National Park.
Aufgrund des guten Wetters und mit einem Optimismus, dessen Ursprung mir etwas schleierhaft ist, habe ich mich für die schöne, sprich die Nationalpark-Route, entschieden.
Die hat allerdings einen Nachteil. Genau genommen 220… Das sind die zusätzlichen Höhenmeter, die überwunden werden müssen. Die kann man dafür hinterher aber auch wieder runterrasen! Bzw. könnte sie runterrasen, wenn man nicht ständig nach links gucken und die Aussicht genießen müsste. Oder gar anhalten, um Photos zu machen 😉
Wenn es sich nicht zugezogen hätte, hätte ich sicher eine Stunde da oben gesessen, und in die Landschaft geschaut. Heute hatte ich zum ersten Mal einen Anflug von Verständnis für Leute, die Berge mögen…
Auch wenn ich mich zwischendurch selber verflucht habe, hat sich diese Variante gelohnt, finde ich! Und trotz der vielen Pausen, die ich machen musste, um oben anzukommen und noch Luft zum Atmen zu haben, bin ich im Hotel angekommen, bevor es anfing zu regnen. Die drei Tropfen, die ich abbekommen habe, während ich das Fahrrad entladen habe, gelten nicht.
Mein letztes Hotel auf dieser Tour heißt übrigens „Hotel Start“. Passend, oder?

Verschnaufpause
Verschnaufpause
Fast oben!
Fast oben!
Der Stausee bei nicht ganz blauem Himmel
Der Stausee bei nicht ganz blauem Himmel

Aus den drei Regentropfen sind dann noch deutlich mehr geworden. Blitz und Donner haben sich auch dazu gesellt. Ideal, um in Bett zu liegen, aus dem Fenster zu schauen, Podcasts zu hören und dabei wegzudösen.
Drei Stunden später war es trocken genug, dass ich noch eben zum Elbe-Stausee gelaufen bin, den ich verpasst habe, da ich ja heute nicht an der Elbe entlang gefahren bin. Wunderschön! Allerdings bin ich doch etwas zu früh los, kaum war ich zurück in der Stadt, kam die Sonne wieder raus. Da wäre der Stausee sicherlich noch fotogener…

Wanderung zur Elbquelle

Zur Elbquelle kommt man nicht mit dem Rad. Zumindest nicht von Špindlerův Mlýn. Von hier aus muss man das Elbetal zu Fuß hinauf steigen. 10 Kilometer, 620 Höhenmeter. Das ist mit müden Beine schon eine Herausforderung…
Genau genommen könnte man die ersten vier Kilometer sogar noch fahren, müsste dann aber das Rad mitten im Wald stehen lassen. Und dann zur gleichen Stelle zurückkehren.
Alternativ kann man von Špindlerův Mlýn mit der Seilbahn zum Gipfel des Medvědín fahren, und dort über den Kamm zur Elbquelle laufen. Das sind dann nur noch 6 km und 280 Höhenmeter.
Man kann die beiden Varianten natürlich auch verbinden. Durchs Elbetal hoch, rüber zum Medvědín, mit der Seilbahn runter. Oder mit der Seilbahn hoch, rüber zur Elbquelle und die Elbe entlang wieder runter.
In den letzten Tagen habe ich mich zwischen den beiden Varianten zigmal umentschieden. Heute morgen beim Aufstehen war ich überzeugt, Variante 1 zu packen. Nach dem Frühstück, auf der Treppe hoch zum Hotelzimmer habe ich mich für Variante 2 entschieden. An der Talstation der Seilbahn bin ich dann aber doch vorbei gelaufen, und habe mich an den Aufstieg durchs Elbetal gemacht. Die erste Zeit war der Anstieg auch sehr moderat, der Weg gut zu laufen und die Beine doch nicht so müde wie gedacht. Und es fühlte sich einfach richtiger an, auch die letzte Etappe zur Quelle hoch aus eigener Kraft zu machen. So ist es ein richtiger Abschluss der Elbetour. (Wenn schon der Anfang nicht richtig war).
Ab dem Zufluss der Pudlava in die Elbe, der Stelle wo Fahrräder nicht mehr erlaubt sind, fing dann das klettern an. Über Stock und Stein, auf maximal einem Meter Breite, windet sich der Weg in Serpentinen den immer steiler werdenden Hang hinauf. Es gibt immer wieder großartige Ausblicke, die ich natürlich immer wieder gerne zum Verschnaufen genutzt habe. Jetzt machen sich die Beine definitiv bemerkbar! Und ich bin schneller außer Atem gekommen als üblich. Zum Glück war wenig los (Ich bin auch sehr früh aufgebrochen, um mir für den Anstieg Zeit nehmen zu können), so haben mein Geschnaufe nur eine handvoll Leute mitbekommen 😉
Die meisten Radler starten den Elberadweg ja hier und fahren gen Küste. Mit frischen Beinen ist der Aufstieg für normal trainierte Leute gut zu machen. Und er lohnt sich! V.a. wenn man aus dem dichten Baumbestand heraus kommt und den weiten Blick über das Riesengebirge hat, bei jeder Serpentine wieder ein bisschen mehr sieht… großartig!
Was mich allerdings überrascht hat (da war ich wohl etwas naiv), war der Schnee. Ab 840 m Höhe gab es immer wieder kleine Schneeflecken von vielleicht einem Quadratmeter, erst nur links und rechts des Weges, weiter oben musste ich dann tatsächlich über größere Schneefelder laufen. Hatte ich nicht mit gerechnet…
Nach gut drei Stunden war ich dann an der auf 1340 m gelegenen Labská bouda angekommen. Ein sehr willkommener Ort für eine Pause! Und es gibt leckeren Kuchen!

Die Elbe als Wildbach
Die Elbe als Wildbach
Ab hier nur noch zu Fuß!
Ab hier nur noch zu Fuß!
Hier sollte man schon trittsicher sein.
Hier sollte man schon trittsicher sein.

Von hier aus ist es nur noch ein Kilometer bis zur Quelle. Bzw. zu der Wiese auf der sich zahlreiche Quellen zur Elbe vereinen. Da stehe ich also endlich am Ziel! Stolz wie nicht was, auf mich und meinen Körper, der das gepackt hat, was ich ihm zugemutet habe…
Und was sehe ich? Schnee! Und eine seltsame Frauenskulptur aus Holz, die mir den Hintern entgegenstreckt… seltsam… aber egal, ich finde es großartig, hier zu stehen. Und der Ausblick ist wieder grandios.
Irgendwann konnte ich mich dann doch losreissen, und mich auf den Weg zum Medvědín und der Seilbahnstation machen. Der Weg über den Kamm ist recht gut zu laufen, trotz großer Steine und weiterer Schneefelder. Hier war dann auch deutlich mehr los als beim Aufstieg durchs Elbetal. Ich bin noch immer beeindruckt von dem Kerl der mir mit dem Kinderwagen auf den Armen über ein Schneefeld entgegen kam. Den kann er auf maximal zehn Prozent des Weges geschoben haben.

Elbquelle (Pramen Labe)
Elbquelle (Pramen Labe)
Ja, das ist die Elbe!
Ja, das ist die Elbe!

Eine kleine Schwierigkeit gab es noch an der Jestřábí boudy, etwa eine Stunde von der Quelle entfernt. Den Wanderweg, den ich laut Komoot von hier aus nehmen sollte, gab es nicht. Ich war mit dem Problem allerdings nicht alleine, ein ebenso verwirrt aussehender Mann stand mit seiner auseinander gefalteten Karte da, und ein Trio älterer Damen diskutierte rege. Die waren aber schon mit der Seilbahn hergekommen, und mussten sich nur einigen, welchen Weg sie genommen hatten. Mit dem Totschlagargument „Ich weiß, dass ich recht habe!“ lief dann eine voran, und wir anderen folgten ihr. Und sie hatte recht 🙂
Irgendwann kam dann auch der Abzweig zurück auf den eigentlich geplanten Weg (wo auch immer der an der Hütte losgehen sollte), und dann war auch bald die Seilbahn erreicht. Die Fahrt damit zurück nach Špindlerův Mlýn war ein wirklich schöner Abschluß meiner Tour.

Blick übers Riesengebirge
Blick übers Riesengebirge
Irgendwo hier ist ein Weg...
Irgendwo hier ist ein Weg...
Ich bin oben!!!
Ich bin oben!!!

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