Stupas im Gandan-Kloster

Gandan und Hustai

Heute geht es los. Wir besichtigen das Gandan-Kloster in Ulaanbaatar, lernen zum ersten Mal die Buckelpisten kennen, die unser steter Begleiter bleiben werden, und beenden den Tag im Hustei-Nationalpark.

Letzte Vorbereitungen

Das Holiday Inn führt noch zu keinem Kulturschock, das Frühstück ist klassisch kontinental, mit ein paar Extras für die asiatischen Touristen.  Nach dem Frühstück werden wir auf die Autos aufgeteilt, es gibt drei Autos für elf Touris und eine Reiseleiterin. Dema ist eigentlich Deutschlehrerin, in den Sommerferien führt sie deutsche Touristen durchs Land. Egal ob die mit Chamäleon, Studiosus, Hauser oder sonsteinem Veranstalter gebucht haben – alle landen bei Active Adventure Tours.

Unser Fahrer ist Khukhuu (auch Kuckuck genannt, was tatsächlich die deutsche Übersetzung seines Namens ist). Er ist 72 Jahre alt, begeisterter Tänzer (Disco! … und Walzer) und ein sehr besonnener Fahrer. Leider spricht er weder deutsch noch englisch, und wir weder mongolisch noch russisch, so dass wir uns nicht unterhalten können. Er hätte sicherlich viele interessante Geschichten zu erzählen.

Die Aufteilung auf die Autos ist anscheinend nicht immer unkompliziert. Im Reiseprospekt stand ja schon geschrieben, dass die Plätze im Auto immer rotiert werden sollen, so dass jeder mal auf jedem Platz sitzt. Jetzt werden wir noch explizit informiert, dass Dema jeden Tag in einem anderen Auto mitfährt, und dass jedes Mal dieses Auto dann vorne fährt, so dass nicht nur jeder mal auf einem anderen Platz sitzt, sondern auch jeder mal im vordersten Auto sitzt. Scheint ja irgendwie ein großes Thema zu sein…

Nachdem die Sitzverteilung geklärt ist, gehts (zu Fuß) zur Wechselstube. Mit 150€ – also 440.000 Tugruk – kommt man gut aus, inklusive Trinkgeld für Reiseleiterin und Fahrer. Der letzte Stopp bevor es richtig losgeht, ist ein Supermarkt. Hier legen wir zusammen und Dema kauft Gastgeschenke für die beiden Familien, die wir auf unserer Reise besuchen werden. Jeweils eine Thermoskanne, einen Kuchen und Süßigkeiten für die Kinder.

Und endlich geht es los!

Das Gandan-Kloster

Das Kloster Gandan in Ulaanbaatar ist eines der wenigen verbliebenen, alten, großen Klöster in der Mongolei (die meisten Klöster haben den Kommunismus nicht überlebt). Im Haupttempel findet gerade eine Zeremonie statt, in der hauptsächlich für Reichtum gebetet wird. Die Mönche lesen in tibetischem Singsang ihre Phrasen vor, die Gläubigen hören andächtig zu. Verstehen tun die wenigsten diesen Singsang, so wie bei uns kaum jemand einem Gottesdienst auf Latein folgen könnte. Mindestens einer der Mönche kämpft tapfer dagegen an, einzunicken. Ich habe die Gelegenheit verpasst, zu fragen, seit wann sie wohl schon da sitzen. Vermutlich schon etwas länger…

Hauptsehenswürdigkeit ist eine 26 Meter hohe vergoldete Statue von Janraisig (Bodhisattva des universellen Mitgefühls). Sie ist eine Replik der originalen Statue, die von den Russen „entführt“ und nie wiedergefunden wurde. Vermutlich wurde sie damals eingeschmolzen.

Abgesehen von rund 300 Mönchen halten sich im Kloster fast ausschließlich deutsche Touristen auf. Dies ist aber wohl nur an Tagen so, nachdem der Flieger aus Frankfurt gelandet ist (also zwei Mal pro Woche).

Gebetsmühle im Gandan-Kloster
Gebetsmühle im Gandan-Kloster
Janraisig
Janraisig

Hustai-Nationalpark

Und dann verlassen wir endlich Ulanbaatar um die Mongolei zu erkunden. Heute machen wir jedoch nicht viel Strecke, der Großteil wird sogar noch auf asphaltierter Straße gefahren.

Unser heutiges Camp liegt kurz vorm Chustain-Nuruu bzw. Hustei-Nationalpark. Nach dem Mittagessen und einer kurzen Erholungspause (die wir zum Ausschlafen des Jetlags nutzen, was aber nur bedingt funktioniert) statten wir dem Nationalpark einen Besuch ab.

Im Museum des Parks lernen wir, dass hier die einzigen echten Wildpferde leben, die es noch gibt. Die rund 300 Tiere stammen von 40 Exemplaren ab, die hier wieder angesiedelt wurden, nachdem die Pferde 1969 in freier Wildbahn ausgestorben waren. Unser Plan ist es, diese zu beobachten, wenn sie abends von den Hügeln zur Wasserstelle herabkommen. Auch das klappt nur bedingt. Wir entdecken zwar fünf Pferde auf einem der Hänge, unseren Aufstieg auf den Hügel kontern sie allerdings damit, eben diesen zu verlassen, die Straße zu überqueren und dort weiter zu grasen. Also folgen wir ihnen den Hügel hinab – dabei zeigt sich, wer von uns wirklich wasserfeste Schuhe hat, denn es hat geregnet, und das knöchelhohe Gras ist nass… Auf der Straße angekommen, beginnt eine Diskussion, ob wir zu den Pferden laufen oder fahren.  Wir beschließen, die paar Meter zu laufen um die Tiere nicht zu verschrecken. Wir kommen auch tatsächlich nah genug heran, dass die Leute mit Teleobjektiv ein paar Photos machen können. Die Autos, die uns dann einsammeln, verschrecken die Tiere übrigens überhaupt nicht…

Zum Glück ist der Steinadler ausgestopft
Zum Glück ist der Steinadler ausgestopft
Przewalski-Pferde
Przewalski-Pferde
moderne Camp-Jurte
moderne Camp-Jurte

Zurück im Camp gibt es Abendessen und einen Begrüßungswodka auf Kosten des Reiseveranstalters. Ich bekomme wie schon am Mittag einen großen Berg Gemüse, der einige Mitreisende dazu bringt, laut darüber nachzudenken, ebenfalls ab jetzt vegetarisches Essen anzumelden.

Anschließend machen wir eine kleine Vorstellungsrunde. Unsere Reisegruppe besteht neben uns Vieren aus zwei Paaren und drei Einzelreisenden.  Wir sind, wie erwartet, die Jüngsten. So lustig der Abend auch ist, ist er doch schnell vorbei, wir sind einfach noch zu müde.

Das Chustain-Nuruu-Camp ist recht klein, die Jurten sind modern, mit Licht und Steckdose ausgestattet, der Boden ist gefliest, die Wände mit Dachpappe-Ziegeln verkleidet. Oder, wie Dema sagt: „keine echten Jurten“. Aber Hauptsache die Betten sind bequem. Einigen sind sie zu hart, für mich sind sie genau richtig. So richtig gut schlafe ich aber trotzdem nicht, der neue Rhythmus ist noch nicht im Körper angekommen.

Gestern und Morgen

Das war gestern (Anreise)

So geht’s weiter (Gurvanbulag)

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