Elberadweg bei Wittenberge

Elberadweg 1 – Schwerer Start

Die Elbe entspringt auf einer Wiese im tschechischen Riesengebirge, nahe bei Špindlerův Mlýn. Dort heißt sie noch Labe. Knapp 1100 km weiter mündet sie bei Cuxhaven in die Nordsee. Das Stück von Cuxhaven nach Hamburg war ich auf meiner Weser-Tour schon gefahren. Jetzt wollte ich den Rest in Angriff nehmen.  Also: Hamburg – Špindlerův Mlýn. Drei Wochen. 997,4 km. 4200 Höhenmeter hoch, 3470 Höhenmeter runter. Soweit die Theorie.

Bevor ich auf die lange geplante Tour gehen konnte, stand allerdings noch eine kurze Dienstreise nach Italien an. Soweit unspektakulär, allerdings habe ich mir auf dem Hinflug eine Erkältung eingefangen, die dank des Rückfluges eine Mittelohrentzündung mit sich brachte. Natürlich war die Ärztin nicht begeistert von meiner Idee, jetzt eine Radtour zu machen. Und nach einigem Fluchen, Diskutieren, Schimpfen, Heulen und Nachdenken mit diversen Freunden und anderen Radreise-Begeisterten, habe ich mich also durchgerungen, den ersten Teil der Tour ausfallen zu lassen und erst nach beendeter Antibiotikaeinnahme loszuradeln. Der neue Plan war also: zwei Wochen, 681 km, 3700 Höhenmeter hoch, 3010 Höhenmeter runter.

Lübeck / Wittenberge / Tangermünde

Ich bin, wie ursprünglich geplant, mit der Bahn nach Hamburg gefahren. Von dort ging es jedoch direkt weiter nach Lübeck, wo ich ein paar Tage damit verbracht habe, auf der Couch meines Bruders rumzuhängen. Urlaub soll ja auch entspannend sein 😉  Wäre besseres Wetter gewesen, hätte ich vermutlich mehr Zeit in der Stadt verbracht, aber bei ununterbrochen andauerndem Geniesel  ist selbst das sonst wunderschöne Lübeck ungemütlich.

Von Lübeck aus ging es mit der Bahn nach Wittenberge (nicht zu verwechseln mit Lutherstadt Wittenberg). Vermutlich wird kaum jemand in die Verlegenheit kommen, mit dem Fahrrad per Bahn von Lübeck nach Wittenberge zu fahren, aber falls doch, hier eine kleine Warnung: Der Bahnhof von Bad Kleinen bietet nicht wirklich viel Abwechslung und eine Dreiviertelstunde Aufenthalt kann da schon lang werden, wenn man nicht ein gutes Buch dabei hat. Zum Glück habe ich immer ein gutes Buch dabei 😉

Nicht das es in Wittenberge wirklich viel zu sehen gäbe, aber es ist ein ganz hübsches Städtchen.  Allerdings gibt es zwischendrin immer mal wieder Bauruinen, die das Stadtbild doch etwas runterziehen. Und ich hätte mehr kleine Geschäfte erwartet. Anscheinend reichen die Elberadweg-Radler als Touristen nicht aus, um solche Läden zu finanzieren. Aber so könnte ich wenigstens nicht in Versuchung geraten, zu viel Geld auszugeben. Stattdessen habe ich es mir auf einer Bank an der Elbe gemütlich gemacht.
Die lag hier nämlich sehr malerisch in der windstillen Gegend und hat die Wolken in sich spiegeln lassen.

Die Elbe bei Wittenberge
Die Elbe bei Wittenberge

Am nächsten Tag ging es wieder weiter mit der Bahn. Heute wäre die Etappe Wittenberge – Tangermünde an der Reihe gewesen. Die Bahn schafft das in einer guten Stunde. Inklusive Umsteigen in Stendal. Der Bahnhof in Stendal ist groß genug für mehrere Gleise, aber leider war für Aufzüge wohl kein Geld mehr über. Bahnsteighöhe und Einstiegshöhe der Bahnen passen auch nicht so richtig zueinander. Wer also Schwierigkeiten damit hat, sein bepacktes Rad durch die Gegend zu hieven, sollte nicht in Stendal umsteigen.
Ich habe die Gelegenheit genutzt, und habe mir Stendal selber auch noch angesehen. Kann man sich aber auch sparen. Nicht, dass es nichts zu sehen gäbe, aber gegenüber Wittenberge und Tangermünde hat die Kreisstadt nichts besonderes zu bieten. Zum Zeitvertreib unter diesen speziellen Umständen war es ok, ich würde aber vom Elberadweg aus keinen Abstecher nach Stendal machen.
Tangermünde hingegen ist wirklich ein nettes Städtchen! Es gibt wieder die klassischen Bürgerhäuser einer Hansestadt, alte Fachwerkhäuser (in jeglichem Zustand von total renoviert bis total verfallen), das gotische Rathaus, die Burg, und natürlich wieder das Elbufer (hier nicht ganz so malerisch wie in Wittenberge). Und seit ein paar Jahren gibt es auch eine Brauerei, mit angeschlossenem Hotel. Ich hatte mich so auf ein frisches Bier aus der Brauerei gefreut, nach einem anstrengenden Tourentag, und anschließend hätte ich einfach schön ins Bett fallen können! Toller Plan, oder? Nur leider nicht mit Antibiotikum…
Also habe ich beschlossen, mir ein anderes Restaurant zu suchen, um der Versuchung leichter widerstehen zu können. Und habe das Exempel entdeckt. Was für ein toller Laden. Dummerweise hatte mein Plan einen Haken. Auch hier war spezielles, lokales Bier im Angebot… aber ich war brav. Ich muss ja fit werden!

Tangermünde
Tangermünde
Fachwerk in Tangermünde
Fachwerk in Tangermünde

Magdeburg

Obwohl ich in Tangermünde das letzte Antibiotikum genommen hatte, habe ich mich entschlossen, doch noch einmal mit der Bahn zu fahren. Es hat den ganzen Tag geregnet. Normalerweise macht mir Regen auf einer Radtour ja nicht wirklich viel aus, mit der richtigen Kleidung passt das schon. Aber ich war halt doch noch angeschlagen, da war ich lieber noch einen weiteren Tag vernünftig. Auch wenn meine Beine gezuckt, weil ich endlich Rad fahren wollte!
Der Regen war nicht nur angekündigt, sondern tatsächlich da. Den ganzen Tag. Es war zwar nur Niesel, aber in Verbindung mit dem Wind ist das schon ziemlich ungemütlich. Wahrscheinlich lag es am Wetter, dass ich von Magdeburg nicht allzu angetan war. So ist das nun mal mit ersten Eindrücken…
Einen fantastischen ersten Eindruck macht allerdings das Hotel. Das ArtHotel Magdeburg befindet sich nämlich in der „grünen Zitadelle“ – einem der letzten Entwürfe von Friedensreich Hundertwasser!
Das Sightseeing fiel aufgrund des ungemütlichen Wetters zunächst recht sparsam aus. Ich hatte ja noch den vollen nächsten Tag, der als Pausentag geplant gewesen war, und der Wetterbericht sah da besser aus. Den restlichen Nachmittag/Abend habe ich entspant im Kino verbracht. Da hat man, wenn man z.B. Avengers guckt, schnell mal vier Stunden rum 😉

"Grüne Zitadelle"
"Grüne Zitadelle"
Hotelzimmeraussicht
Hotelzimmeraussicht

Sonntag war also Pausentag und da hieß es erstmal ausschlafen, gemütlich frühstücken und auf dem Hotelzimmer rumgammeln, bis die Hundertwasserhaus-Führung beginnt. Ich könnte jetzt hier ausgiebig wiedergeben, was die Dame uns erzählt hat, aber ich kann auch einfach auf Wikipedia verweisen, da gibt’s die gleichen Infos. Das Haus ist aber spektakulär (wie alle Hundertwasser-Gebäude, die ich kenne). Dies ist aber das erste, dass ich auch von Innen zu sehen bekommen habe. Wir konnten sogar in eine leerstehende Wohnung. Ich hätte die sofort genommen! Nur leider ist Magdeburg etwas zu weit von meiner Arbeitsstelle entfernt. Zum Pendeln nicht geeignet…

Das Wetter war besser, aber trotzdem gefällt mir die Magdeburger Architektur nicht sonderlich. Ich weiß nicht mal in Worte zu fassen, was mich stört – der Funke springt einfach nicht über. Mit mehr Zeit könnte ich in den weiter entfernten Stadtteilen vielleicht Straßenzüge mit Flair entdecken, aber spontan wüsste ich nicht, wo anzufangen. Ich habe mich da für eine Alternative entschieden: wenn das Stadtbild mir nicht gefällt, dann vielleicht der große Park? Und: Volltreffer! Der Elbauenpark ist ein ziemlich großes Areal, mit diversen Bereichen wie Konzeptgärten, Kletterpark, Schmetterlingshaus, dem Jahrtausendturm, einer Open Air Bühne, Sommerbobbahn, etc. Es ist also für jeden was dabei. Und es lief auch noch eine Veranstaltung, bei der sich die Stadtteile und ihre Vereine/Verbände/etc präsentieren konnten. Es war also ganz schön was los. Da der Park aber so groß ist, und die Veranstaltung nur auf einem Teil dahin stattfand, konnte man der Menschenmenge schnell entkommen. Im Schmetterlingshaus z.B. war ich zwischenzeitlich ganz alleine! Was mir nicht dabei geholfen hat, den hyperaktiven blauen Schmetterling zu beruhigen. Er sah wunderschön aus, hat sich aber einfach nicht fotografieren lassen!
Im Jahrtausendturm war ich nicht alleine, aber auch hier verläuft sich die Menge, da das Gebäude groß genug ist. Bzw. verwinkelt genug, dass man von den anderen Besuchern kaum was mitbekommt. Die Exponate sind nett gemacht, man kann viel ausprobieren und bekommt so physikalische Effekte demonstriert. Auch die Anordnung, mit den antiken Gelehrten und deren Erkenntnissen in der untersten Ebene – quasi als Fundament – und den neuesten Forschungsthemen in der Spitze des Turmes, fand ich sehr ansprechend. Ein wissenschaftliches Museum nach meinem Geschmack!

Im Jahrtausendturm
Im Jahrtausendturm

Das war der letzte Tag ohne Rad. Morgen gehts endlich los mit der richtigen Tour!

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